Jan 18 2013

Therapeutisches Reiten – was ist das?

Das therapeutische Reiten hat sich längst von seinem oft belächelten Nischendasein verabschiedet und ist heute eine anerkannte Therapieform zur Behandlung von psychischen und physischen Störungen, aber auch ein pädagogisches Mittel der Erziehung.

Das therapeutische Reiten umfasst dabei drei Teilbereiche, von denen der Behindertenreitsport (BRS) kategorisch auszuschließen ist. Dieser ist eine gänzlich eigene Form des therapeutischen Reitens, der den Schwerpunkt weniger auf Heilung und Verbesserung sozialer Kompetenzen als auf sportliche Aspekte legt. Das therapeutische Reiten wird von qualifizierten Fachkräften auf speziell trainierten und ausgesuchten Reittieren durchgeführt. Durch ihre sensiblen Charaktere sollen die Tiere den Menschen bei der Heilung und bei der Entwicklung einer Persönlichkeit unterstützen.

Das heilpädagogische Reiten und Voltigieren

Das Reiten und Voltigieren unter der Leitung eines ausgebildeten Pädagogen soll mithilfe des Mediums „Pferd“ eine angstauflösende und auflockernde Wirkung auf den Reiter haben. Während des Ritts werden Geschicklichkeitsspiele und gymnastische Übungen auf dem Pferd vollzogen, der Bewegungsablauf des Reittieres wirkt sich dabei beruhigend auf den Reiter aus. Dieser soll so Erfolgserlebnisse beim absolvieren der Übungen in einem möglichst angenehmen Umfeld haben können. Beim Voltigieren wird das Pferd von dem Betreuer an einer Leine im Kreis geführt.

Die Hippotherapie

Die Hippotherapie ist der Oberbegriff für zwei Teilbereiche des therapeutischen Reitens: der Ergotherapie und der Psychotherapie. Die Grenzen der beiden Bereiche sind in der praktischen Anwendung oft fließend. Denn Reiter und Pferd fühlen sich jeweils besser, wenn sie sich gegenseitig besser kennen.

Die ergotherapeutische Komponente bezieht sich dabei auf die Wirkung der Bewegungen des Reittieres. Das übliche „schaukeln“ beim Reiten hilft beispielsweise Menschen mit Gleichgewichtsstörungen beim erlernen und verbessern des Balancegefühls. Auch werden durch die Anpassung des Reiters an Bewegungsabläufe des Tieres die Muskeln stimuliert und der Beckenbereich und Rücken massiert.

In der Psychotherapie wird verstärkt auf den Kontakt zwischen Mensch und Tier gesetzt. Der Reiter soll bereits im Vorfeld erst einmal ausführlich lernen, dem Pferd zu vertrauen. Das anschließende Reiten unter Anleitung einer Fachkraft soll ihm ermöglichen, das erlebte Vertrauen auch richtig anzuwenden.

Therapeutisches Reiten ist in Deutschland, trotz seiner Erfolge, noch keine von den Krankenkassen bezahlte Standardleistung. Lediglich das heilpädagogische Reiten ist im Pflegesatz für Heimbetreuung enthalten.

One Response to “Therapeutisches Reiten – was ist das?”

  1. Kerrion 21 Jan 2015 at 08:10

    Hallo Franzi!Reiten ist auf jeden Fall eine Belastung für das Pferd, deshalb wird es ja auch, wie Idril auch schon beschrieben hat, durch Training entsprechend darauf vorbereitet und auch weiterhin immer wieder gymnastiziert, damit es keine Schmerzen bekommt und die Belastung ohne Schaden aushält. Ein gut gerittenes Pferd mit einem Reiter, der in Balance sitzt und der Bewegung folgen kann, wird keine Probleme durch das reiten bekommen. Deshalb lieber täglich sinnvoll bewegt, als einmal pro Woche ohne Plan irgendwie zu reiten. Grundvoraussetzung ist natürlich auch, dass die Ausrüstung dem Pferd richtig angepasst ist. Auch ein unpassender Sattel oder Zäumung machen dem Pferd Schmerzen.

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